Anlässlich der Pressekonferenz des Europäischen Bürgerforums am 5.2.2004 in Berlin

fordert die Internationale Liga für Menschenrechte von Spanien und der EU Aufarbeitung und Ahndung der rassistischen Angriffe auf marokkanische Landarbeiter in Andalusien

Liga-Präsident Dr. Rolf Gössner:

„Die skandalösen Arbeits- und Lebensbedingungen der marokkanischen Landarbeiter in der andalusischen Gemüseproduktion sind eine europäische Schande – eine offizielle Delegation muss sich endlich vor Ort informieren und die Vorfälle untersuchen“

 

Anlässlich der Internationalen Fachmesse für Obst und Gemüse „Fruit Logistica“ in Berlin müssen sich Öffentlichkeit, Konsumenten und gastgebende Stadt Berlin kritisch damit auseinandersetzen, unter welchen Bedingungen in manchen Gegenden Europas Obst und Gemüse, das hierzulande preiswert zu erwerben ist, produziert wird.

Wie das Europäische Bürgerforum recherchiert hat, stellen auf der „Fruit Logistica“ Gemüseproduzenten aus der Provinz Almeria (Andalusien) aus, die ihr Gemüse unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren, die Arbeitsimmigranten ausbeuten und die verstärkt Pestizide einsetzen, die zu Gesundheitsschäden führen. Insbesondere marokkanische Landarbeiter im Gemüseanbaugebiet Andalusiens sind hiervon betroffen.

Die marokkanischen Landarbeiter in der Gemeinde El Ejido waren in den letzten Jahren nicht nur skandalösen Arbeits- und Lebensbedingungen ausgesetzt, sondern auch gewaltsamen rassistischen Übergriffen, die unter den Augen von Polizei und Gemeindeverantwortlichen geschehen konnten und die bis heute nicht aufgearbeitet oder geahndet wurden. Dokumentiert ist dieser Dauerskandal in der „Neuen Züricher Zeitung“ vom 21.01.2004, die ihren Artikel zutreffend mit „Moderne Sklaven in spanischen Treibhäusern“ überschrieb.

Die Internationale Liga für Menschenrechte fordert zusammen mit dem Europäischen Bürgerforum:

·        Eine offizielle Delegation, die sich in El Ejido über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Landarbeiter in der Gemüseproduktion informieren, die rassistischen Übergriffe untersuchen und die Öffentlichkeit über ihre Erkenntnisse unterrichten soll; die Liga würde sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten hieran beteiligen.

·        Eine unverzügliche Aufarbeitung und gerichtliche Ahndung der pogromartigen Ausschreitungen gegen marokkanische Landarbeiter.

Es geht um menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Landarbeiter und darum, künftig rassistische Ausschreitungen zu verhindern. Die Verantwortlichen der Gemeinden und unter den Gemüseproduzenten müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Aber auch die EU ist gefordert, ihren Beitrag zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Landarbeiter zu leisten, zumal sie diese Intensivwirtschaft im Gemüseanbau Andalusiens subventioniert.                    r.g.